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Mortimer Barten Leben und Leben lassen

Mortimer Barten

Leben und Leben lassen

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 3 Minuten)

Wer sich für den Job aufopfert tut dies meist ohne sich über seine eigenen Ziele und Wünsche Gedanken zu machen, sondern ist Angst-getrieben. Dadurch gerät die Work-Life-Balance aus der Balance - zum Burnout. Neulich an der Bushaltestelle vor diesem AOK Plakat gestanden "Balance statt Burnout - Gesunde Mitarbeiter, starke Unternehmen". Cool, dachte ich, endlich ein Ansatz der KKs um die Firmen zu mehr Verantwortung zu bewegen und schaute auf aok.de nach den Infos zum Programm.

Naja, war einen Versuch wert aber schade, die Firmen sind fein raus. Es geht allein darum, dass du auf eigene Initiative in deiner Freizeit Kurse belegst, um noch besser für die Firma zu funktionieren.

Äh, ja. Merkste was? Zum einen wird die Verantwortung für die Gesundheit des Unternehmens auf dich als Privatperson geschoben. Zum anderen legitimiert es, dass die Unternehmen dich ganz selbstverständlich bis zum Burnout belasten - du kümmerst dich ja nach einem Zwölf-Stunden-Tag voller Meetings, Stress und hastigem Mittagessen am Rechner in deiner eh schon knappen Freizeit darum, dass du wieder ins Gleichgewicht kommst. Morgen bist du noch leistungsfähiger und kurbelst den Profit des Unternehmens weiter an. Yeah! Und der Erfolg des Unternehmens sichert deinen Arbeitsplatz und dein soziales Ansehen - auch wenn du keine Zeit hast, damit irgendwas anzufangen außer noch mehr Konsumgüter anzuschaffen, die du nicht brauchst.

Ich bin iwie nicht überzeugt vom Ansatz, die Scherben zusammenzukehren nachdem die Vase runtergefallen ist. Es muss andersrum gehen. Es ist Zeit, dass die Unternehmen die Menschlichkeit dem Gewinnziel gleichstellen. Warum? Balance ist nicht etwas, das man produzieren oder herbeiführen kann, indem man der Belastung etwas entgegenstellt, was noch mehr Ressourcen braucht. Balance ist etwas, das als Basis zugrunde gelegt werden muss. Das macht Unternehmen langfristig stark! Zum Glück gibt es auch immer mehr Firmen, die einen Mitarbeiter-orientierten Ansatz verfolgen und die zunehmende Flexibilisierung der Arbeit unterstützen.

Jedoch beschränkt sich das weitestgehend auf die Branche der Neuen Medien (die gar nicht mehr so neu sind, aber egal). Wenn du dich von diesem Plakat angesprochen fühlst, mach ich dir einen Vorschlag: Setz dich in einer ruhigen Minute mal in aller Stille hin und frag dich "Was hat das mit mir zu tun?". Denn mal ehrlich, woher kommt eigentlich diese Idee dass alles auf das wirtschaftliche Wachstum der Unternehmen ausgerichtet sein muss? Ist das wirklich alles, was uns zu diesem wunderbaren Planeten einfällt? Den ganzen Tag im Büro sitzen, dann ins Fitnessstudio damit der Rücken nicht schlapp macht, danach zur Mediation/zum Yoga/zum Personality-Coaching. Sleep. Repeat. Samstags hektisch Alltagsbewältigung, Sonntag auf der Couch weil nichts mehr geht. Auf dem Plakat der AOK sollte stehen "Balance für mehr Liebe für die, die dir wichtig sind", "Balance für mehr Träume und deren Verwirklichung", "Balance für einen guten Umgang mit der Natur". "Starke Menschen, starke Gemeinschaft". Statt dessen steht da im Grunde "Sorg dafür dass du nicht schlapp machst damit die Dividende stimmt". Offenbar haben wir da alle tierisch Bock drauf. Dazu gibts bestimmt derbe Anerkennung vom Chef, und Mutti ist ganz stolz, dass du "es geschafft" hast. Dabei schaffst du nur dich selbst. Von wem und wofür willst du geliebt und anerkannt werden? Erkennst du dich selbst an?

Was hat das mit mir zu tun?

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