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Mortimer Barten Leben und Leben lassen

Mortimer Barten

Leben und Leben lassen

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 3 Minuten)

Wir geben uns nicht gerne so, wie wir sind. Lieber verstecken wir uns hinter dem Bild, dass die Werbung vorgibt. Was ist authentisch? Worauf bauen Beziehungen wirklich auf? Was ist Reichtum?

Alter! Erinnert Ihr Euch an den letzten Beitrag über die große Stadt und so? Da kam iwie der Viehmarkt drin vor, ne? Neulich saß ich da mal wieder, Samstag Abend, und hab nur gezuckt wie link es ist! Wenn man so mitten drin sitzt auf dem Platz irgendwo, kriegt man das gar nicht so mit. Aber wenn man an der Straße zum, äh, Parkplatz mit dem Hintereingang zum Derwisch sitzt, dann glaubt man gar nicht wie viele Leute da gaaanz dringend hin müssen. Samstags um halb zwölf. Mit ihrem Bling-Bling-Benz, ihrem Schrammeligen-Aber-Ufz-Ufz-GTI oder ihre kchorrekte düreia BMW. Totaler Stau, wie im Berufsverkehr. Nur dass die Insassen im Vergleich zu den Klimaanlagen-gekühlten Hengsten der Bürowelt sich allesamt sichtlich Mühe gaben, coole Hengste des Jet-Set zu sein.

Die ErfolgsleiterDas Dumme daran ist nur, dass man entweder cool ist oder nicht. Nicht möglich ist es jedoch, dies z.B. durch dicke Karren - wahlweise kombiniert mit dicken Armen / Halsketten / Subwoofern - zu kompensieren. Wenn du cool bist, merkst du das am ehesten daran, dass Leute mit dir abhängen wollen - einfach so. Während der einsame Wolf, der auf 20-Zoll Felgen daher ritt einfach nur einsam wirkt, trotz durchgestyltem Gesamtauftritt.

Ladies in motorisierter Form sah man derweil keine einzige das Blickfeld kreuzen. Fahren Frauen kein Auto? Oder müssen die einfach nie irgendwo hin? Nein nein, sie waren schon da. Die stöckelten mehr so rum, in ebenso starker Frequenz wie die Guys, wirkten aber mehr wie Get-Laid-ies statt Ladies. Mal passend zur Lederausstattung des ein oder anderen Benz, mal mehr zum Goldbehang des dazugehörigen Fahrers. Das Ganze wirkte im Vergleich zum provinziellen Trier nahezu grotesk falsch und künstlich. Es ist ganz eindeutig, dass der Trierer Viehmarkt seiner ursprünglichen Bestimmung wieder zugeführt wurde. Viehmarkt halt. Die Jungs kämpfen mit ihrer Coolness, die Mädels mit ihren High-Heels. Krampfhaft busy, durch materielle Dinge und Äußerlichkeiten zu demonstrieren, wie erfolgreich und begehrenswert sie sind, sehen sie wir ein Spiegel der Werbung aus. Und sehr einsam.

Warum aber ist es uns so wichtig, etwas darzustellen, das die Medien uns als erstrebenswert vorgeben? Warum ist es nicht ausreichend oder sogar cooler, man selbst zu sein? Einfach so jetzt, ohne Schönheit, Reichtum, Stärke und Wichtigkeit auszustrahlen, die völlig aufgesetzt und ganz offensichtlich falsch sind? Warum verstecken wir uns lieber hinter einer Verkleidung aus kurzen Kleidern und Schminke, hinter Edelkarossen und Gucci-Brillen, als uns zu zeigen, wie wir sind? Das ist alles Ballast. Und wir schleppen ihn lieber mit uns herum, als uns davon zu befreien und zu entdecken, welche Menschen wir anziehen, wenn wir einfach wir selbst sind.

Wann warst du das letzte Mal Du selbst?
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