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Mortimer Barten Leben und Leben lassen

Mortimer Barten

Leben und Leben lassen

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 3 Minuten)

Ist schon ne Weile her, da war mein Nachbar bei mir weil er Hilfe mit seinem Router brauchte. Wir hatten das Teil bei mir angestöpselt um auf die berühmte Frage "Bin ich schon drin?" zu sehn, ob er jetzt zu kaputt (der Router) oder zu blöd (der Nachbar) war um zum Ergebnis zu kommen: "Das war ja einfach!". Nebenher lief etwas Musik, nichts besonderes, nicht mal besonders laut. Bis mein Nachbar mich mit leicht gequältem Blick fragte "Hörst du eigentlich immer nur so dieses ... Techno?".

Um das nachbarschaftliche Verhältnis nicht überzustrapazieren hab ich's dann leiser gemacht. Also, ein bißchen. Und mich dabei mal wieder gefragt warum Musikgeschmack so subjektiv ist. Welche Prägung steckt dahinter? Ich mein, bei mir ist das klar, ich hab da eine eindeutige Historie. Als ich irgendwo zwischen klein, mittelgroß und halbstark war hat meine Mutter soweit ich mich erinnere nie Musik angemacht. Mein Vater dafür ständig. Und zwar Klassik. Und zwar nur. Von A wie Bach bis Z wie Vivaldi, bei uns gabs ordentlich Kultur auf die Ohren, spontane Gesangseinlagen des hingebungsvoll Lauschenden inklu. Nur wenn er an die Fuge von Strauß noch Wagner anfügte warf meine Mom wütend wie Wotan ein Votum ein. Das war dann selbst ihr zu arg.

Wenns nach mir gegangen wäre, hätte mein Dad ruhig mehr Motörhead und weniger Mozart sein können. War er aber nicht, was - natürlich - dazu führte dass ich ersteres um so lauter aufdrehte, während er mit letzterem dagegenhielt. Hat beides nichts genützt, musikalisch wurden wir uns nie einig. Darüberhinaus nutzte er seine Stellung als Vormund völlig ungeniert aus und sorgte stets dafür dass er eine größere Anlage hatte als ich. Ich überlasse es dem beflissenen Hobby-Psychologen, den Zusammenhang zu meiner Vorliebe für lauten Techno herzustellen. Mozart hat bei mir jedenfalls keine Chance mehr. Ich stelle heute immer noch lieber Vergaser und Verstärker ein während Dad zur richtigen Einstimmung auf ein gutes Buch lieber die passende Ouvertüre anstellt. 

Heute hat er Geburtstag, ist alles andere als schwerhörig (meine Mutter hat da gelegentlich eine andere Wahrnehmung, aber das ist eine andere Geschichte), und hat seinen Musikgeschmack längst erweitert. Mann, war ich froh als - ich war ungefähr siebzehn - plötzlich Nina Simone, Satchmo und andere Klassiker durch die heiligen Hallen unserer Wohnstatt schallten. Dazu gesellten sich Dixie-Sound, Chansons und die ein oder andere Überraschung.

Ich würde ihm ja ein Ständchen spielen, aber bei Four-to-the-Floor-Greetings würde er dann doch eher aus dem Häuschen rennen statt aus dem selbigen zu sein. Bassdruck ist nicht so sein Ding. Was ich dennoch an ihm schätze ist, dass er immer wieder und immer noch für diese Art von Scheinbar-Aus-Dem-Nichts Überraschungen gut ist, wo man sich denkt "Ach was, hätt' ich ihm gar nicht zugetraut". Das kommt daher dass er ein ziemlich unbeirrbarer Typ ist, dem zu jederzeit egal war, was "die Anderen" von ihm denken und "die Leute" davon halten. Mit dieser gesunden Einstellung hält einen auch nichts mehr davon ab, zu tun was einem Spaß macht. Womit sich auch endlich die Frage klärt, was denn nun  Mozart und Lemmy verbindet. Ich glaube nicht, dass sie sich für besonders unkonventionell, idealistisch und revolutionär hielten. Sie haben einfach gemacht, was ihnen Spaß machte. Scheint ein erfolgreicher Ansatz zu sein um eine Menge Spaß im Leben zu haben. Vielleicht sollte ich Mozart doch nochmal eine Chance geben. Rock on, Dad!

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