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Mortimer Barten Leben und Leben lassen

Mortimer Barten

Leben und Leben lassen

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 3 Minuten)

Neulich gechillt zum Grillen als Sidekick der Schwester der Gastgeberin mitgekommen. Die Runde versprach interessant zu werden, weil alle von komplett außerhalb meines sonstigen Dunstkreises waren. Damit meine ich älter, gut-situierter, bürgerlicher, gesetzter, gebildeter und, wie ich bald erfahren sollte - wichtiger als ... ja, als wer eigentlich? Na klar fiel bald die "Und, was machst du so?" Frage. Außer mir waren noch zwei Herren in der Runde. Beide um die 70, zugleich im Ruhestand wie im feinen

Zwirn und aktuell platziert auf einer Sibirische-Lärchendielen-Terasse nebst Weber-Grill und Japan-Style Teich in einer der Poch-Areas der Trierer Peripherie. M.a.W. sie waren "made", haben's geschafft, gerafft?

Trotzdem (oder gerade deshalb?) beantworteten beide eben diese Frage ohne Umschweife mit Zahlen, Daten, Fakten, die mich zwar hinterher genauso schlau über ihre tatsächliche Tätigkeit ließen, dafür aber ganz klar machten, welche immense Bedeutung und Verantwortung sie zu Leb- und Arbeitszeiten gehabt haben mussten. Was ich mache wollten sie gar nicht mehr wissen, nicht mal aus Höflichkeit, auch ok. Woran liegt es, dass es uns so wichtig ist, wichtig zu sein? Es reicht anscheinend nicht, einfach zu sagen: "Ich habe das-und-das gemacht", sondern es wird gleich nachgelegt mit wie viel Leute man unter sich hatte, wie viele Kunden, usw. Und wie erwartet reagiert der Zuhörer schwer beeindruckt: "Heidewitzka, was für unverzichtbares Mitglied unserer Gesellschaft!" schießt es dem unbedarften Zuhörer durch den Kopf. Wie vielen Menschen es wohl egal ist, was sie machen, so lange ihnen irgendwer bestätigt, dass sie wichtig sind? Warum ist das wichtigste nicht, ein Ding wegen der Sache an sich zu machen, oder - Achtung, festhalten - einfach aus Spaß an der Sache selbst? Ja-ha-ha-ha, solls geben, auch wenn ihr nicht dran glaubt, ihr Spaßbremsen. Irgendwovon muss man ja leben, nicht wahr? Aber was heißt denn Leben?

Für mich bedeutet Leben auf jeden Fall, meine Kreativität ausleben zu können. Am besten mit viel Freiheit. Aber auch mit viel Struktur. Und ich bin in vielerlei Hinsicht kreativ. Aber auch handwerklich gut. Und ein guter Organisator. Und ein Team-Mensch. Und all das macht mir auch iwie Spaß. Hm. Merkste was? Mir fällt es gar nicht leicht, zu definieren, was denn im Kern die Sache ist, die ich so ganz aus mir heraus machen will. Ich glaube, es geht vielen Menschen so, weil wir in einer Erfolgs-orientierten Gesellschaft leben, die Erfolg auch ganz klar definiert hat. Da ist es gar nicht so einfach, seinen Platz zu sehen und Erfolg für sich zu definieren anstatt ihn im Außen zu suchen. Deshalb landen wir oft in Jobs, die wenig bis nichts mit uns zu tun haben - außer dass sie gut für unseren Lebenslauf sind. Es ist einfach viel einfacher, sich von jemandem bestätigen zu lassen, dass man existiert, als aus sich selbst heraus zu fühlen, dass die pure Existenz ohne irgendeine Bestätigung durch irgendwen völlig ausreichend ist und keiner weiteren Legitimation bedarf.Der Weg dahin ist, dass man einfach das macht, was einen im Herzen erfüllt. Tue interessante Dinge, und interessante Dinge fangen an, dir zu passieren. Tue einen Langweiler-Job, der dein Herz nicht berührt, und es passiert - nichts. Außer dass du derbe wichtig bist. Sagt wer?

Was bringt dein Herz zum Singen?

 

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