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Mortimer Barten Leben und Leben lassen

Mortimer Barten

Leben und Leben lassen

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 3 Minuten)

Witzig wie sich manche Dinge mit den Veränderungen der Umgebungsparameter mitbewegen ohne sich offensichtlich zu verändern. Dieser alte TAZ Artikel über die Techno-Kultur lässt sich auf viele Bereiche unseres Lebens übertragen und ist deshalb sehr lesenswert, finde ich. Ich war gerade erst in Berlin, auch in Sachen Musik, um festzustellen dass es sich nicht ändert. Berlin ist hipp, derbe Aller, echt jetzt. Im Ernst, ich mag die Stadt um den Alex gerne - als Besucher.

Nach ein paar Tagen ist's mir dann aber genug, denn die Metropole erstickt im Überangebot von allem. Biste auf nem Flohmarkt, dann immer mit der Frage im Hinterkopf: "Ist das der richtige? Gibt es einen angesagteren? Wenn ja, woran merkt man das? Und wie findet man ihn?". Bist du in der Bar, selbes Thema: "Ist das selbsgebraute Craft Beer das localste?". Im Veggie-Burger-Tempel, Hanfkleidungsladen, im Späti mit integrierter Gebrauchtinstrumentenabteilung, immer wieder: "Ist das hier gerade der heißeste Scheiß? Und wenn nicht, hoffentlich sieht mich keiner!".

Trends fangen immer unten an, arbeiten sich hoch, werden kommerzialisiert, ausgeschlachtet und durch den nächsten ersetzt. In der Musik ist die Leier von den kleinen Labels kontra die großen Fische uralt - und topaktuell. Elektronische Tanzmusik ist längst nicht mehr ein Haufen Spinner in Müllmannanzügen und Gasmasken, die auf Xtasy in alten Fabrikhallen abgehen (Anmerkung der Redaktion: War aber geil ;)). Techno hat sich entwickelt und ist groß geworden, verdammt groß. Da kann man als kleiner Wohnzimmerproduzent schon mal ins Grübeln kommen, wo da der Platz für die eigene Musik ist, ob das überhaupt wer hören will, und ob man überhaupt mitmachen will.

Am Ende hilft nur, dem Rat meines damaligen Schlagzeuglehrers zu folgen. Ich weiß noch genau, wenn ich mal wieder nicht genug geübt hatte und ohne über Los zu gehen direkt in die Rechtfertigungsschleife stolperte und Ausreden runterstammelte dann schrie er mich an: "Nich quatschen, machen!!!", während er wie ein Derwisch mit dem Drumstick auf das hölzerne Notenpult vor ihm eindrosch. Und dann ging's einfach los. Der Mann war ein bisschen wahnsinnig, und ich war erst zehn Jahre alt. Sowohl didaktisch als auch pädagogisch eine fragwürdige Konstellation. Heute verstehe ich dass er einfach immer von da weiter gemacht hat, wo er gerade war, und zwar völlig kompromisslos. Der Rest interessierte ihn nicht. Mit ihm zu planen war dementsprechend schwer, aber ich hab was von ihm mitgenommen.

Worauf kommt es letztlich an? Kommt das was du machst aus deinem Herzen? Bist du bei dir, oder folgst du nur einem Trend? Bist du vielleicht selber gerade dabei einen neuen Trend zu starten? Und wenn ja, woran merkt man das? Kriegsde nich mit, wa, ikke schwör's dir, aber sowat von! Es kommt darauf an seine Träume zu kennen, sich selbst zu vertrauen und dann einfach zu machen bis etwas entsteht. Und wenn nix entsteht machste halt anders weiter. Scheiß auf die großen Labels, die haben eh keine Ahnung was hipp ist. Bleibt nur noch die Frage: Weiß Berlin dass wir hier sind?

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